Elba-ein Buch mit vielen verschiedenen Geschichten

Eine strategisch gute Position und der Reichtum des Territoriums machen den Erfolg der Insel aus. Ein Fortlaufen von Anwärtern, eine Verflechtung von Völkern und ihren Zeugnissen.

Phönikier, Etrusker, Römer. Barbaren und Piraten. Pisaner, Genuesen, Florentiner und Neapolitaner. Und auch noch Spanier, Engländer und Franzosen. Man kann diese Insel jedes Mal wieder aufs neue erleben, wenn man nur den verschiedensten Erzählungen folgt. Das eine Mal denkt man sich in einen sarazenischen Piraten hinein, der hinter den Klippen auf der Lauer liegt oder aber in einen französischen General im Dienste Napoleons. Unzählig sind die Anregungen um das Land und seine Geschichte zu entdecken.

Schimmerndes Gestein und Turmaline, eine Felsinsel mit einem kostbaren Herzen. Glänzende Steine und Eisen: von den etruskischen Schmelzöfen bis zu den Förder-und Schmelzstrukturen der achtziger Jahre. Sehenswert sind das Casalino del Castagno di Poggio und die Bergwerke Miniere di Rio mit ihren Museen, die Erzgrube Grande Miniera del Ginevro al Calamita und das etwas kleinere Piccola di Porto Azzurro. Der Granit und der Turmalin sind in dem Ortsteil San Piero und im Mineralienmuseum Museo Mineralogico mit ihren eindrucksvollen Steinmonstern von Capanne und Sant`Andrea zu erforschen. Eine Tour vom Inneren des Landes bis zu den vom Wind geformten Gipfeln ermöglicht es die in ihrer Art einzigartigen Mineralien zu entdecken.

Wein und Amphore auf dem Meeresgrund. Im archäologische Museum Museo Archeologico della Linguella und im Museum in Marciana Alta sowie im Museo del Mare Capolivieri werden die Andenken der antiken Völker, die oftmals auf dem Meeresgrund gefunden wurden, aufbewahrt. Kriege, das alltägliche Leben, Handel und kostbare Güter:  Edelmetalle-und Steine aber auch Wein! Ein Wein so ausgezeichnet, dass er die Händler dazu zwang, das Meer trotz seiner Winde und Wellen zu überqueren. Und deshalb könnt ihr nicht umhin, einen Besuch in den landwirtschaftlichen Weinbetrieben der Insel  einzuplanen. Hier werden Weine DOC (kontrollierte Ursprungsbezeichnung) und DOCG nach alter Tradition hergestellt. Weinprobe unumgänglich!

Schwarze Segel am Horizont und Morgendämmerungen voller Hoffnung. Fast tausend Jahre unter der sarazenischen Piraterie haben die Inselbewohner dazu gezwungen, sich im Gebirge zu verbarrikadieren oder aber in den Festungen auf Anhöhen: von der Festung Volterraio, unbezwingbare Hochburg im Osten der Insel, über den Turm Torre di San Giovanni in San Piero bis hin zur verstärkten Zitadelle in Portoferraio, Schmuckstück der militärischen Architektur unter Cosimo I. de`Medici. Und die römischen Pfarrhäuser, mit der nach Osten gerichteten Apsis um das Licht der aufgehenden Sonne zu erfassen: l`Eremo di Santa Caterina in Rio Elba, San Giovanni, in der Nähe des gleichnamigen Turms und die glorreichen Überreste des San Bartolomeo mit seinem Fensterchen auf Höhe mit Montecristo.

Der Kaiser Napoleon verlor sein Herz an diese Insel. Fernab von den kalten Machtspielen überließ er, der es gewöhnt war zu nehmen statt zu geben, berauscht von der Weichheit der Landschaft und der Seele der Insel nicht nur Bürgerorganisationen, Gesundheitseinrichtungen und Bildungswesen sondern auch Villen und Theater ganz im imperialistischen Stil. Zeugen sind der Palast Palazzina die Mulini oder das Theater Teatro die Vigilanti di Portoferraio und die Villa San Martino in der gleichnamigen Talebene; aber auch die Casetta Drouot und die Pfarrei Santuario della Madonna del Monte, im marcianischen Gebiet, wo der Kaiser vertraute Momente im Schatten der Kastanienbäume genoss.

Die Insel- eine Quelle der Inspiration für Maler, Bildhauer, Dichter und Künstler. Paul Klee besuchte im Jahre 1926 die Insel und übertrug das leuchtende mediterrane Wesen in seine Werke. Auch viele weitere Künstler ließen sich wie er von der Insel Elba bezaubern: Italo Bolano beispielsweise hat sie mit seinem Museo Diffuso bereichert ohne sie jemals zu verändern. Luca Polesi und seine Wesen aus Metall. Und nicht zu vergessen die Gruppe i pittori delle dune in Procchio und die Schriftsteller, Fotografen, Historiker, die jeder auf ihre eigene Art und Weise ihre Geschichte zu erzählen wussten.

Zwischen den Zeilen der Insel Elba lesen bedeutet in ihr Wesen einzutauchen. Und auf einmal, das leuchtende Azurblau des Meeres beobachtend, während ein Segelboot gemütlich die Streifen der Meeresströmungen durchläuft, scheint es, als ob ihr Teil dieser bezaubernden Erzählung geworden seid.