Capraia, die Vulkaninsel des Archipels

Hohe spitze Klippen, die aus dem Meer ragen und der Duft nach Montpellier-Zistrose, der von den Klippen in Richtung Meer weht-das ist die Insel Capraia.

Die Insel ist die drittgrößte der zum Toskanischen Archipel angehörigen Inseln. Ihre charakteristische ellipsenform liegt entlang des Bruches der korsisch-sardischen Erdplatte, aus der in der Vergangenheit Magma hervortrat. Ja, ihr Ursprung ist tatsächlich vulkanischer Art und ihr könnt die gut sichtbare Aufspaltung des verbliebenen Vulkans Zenobito noch immer bewundern. Da die Insel über Jahrtausende hinweg von den Elementen der Cala Rossa (ein Teil der Insel) angegriffen wurde, blicken wir nun auf eine enorme feuerrote Felswand, steil aus dem Meer ragend.

Und die Anreise? Nehmt die Fähre ab Livorno, die Überfahrt dauert knapp zwei Stunden. Während der Hochsaison werden Wochenausflüge mit dem Boot von der nahe gelegenen Insel Elba aus organisiert. Umso näher man der Insel Capraia kommt, umso besser kann man das Gebirgsprofil erkennen, vor allem, wenn das Wetter mitspielt: die höchsten Bergspitzen gehören zu den bedeutendsten Bergen: Monte Castello, Monte Pontica und Monte Arpagna, nicht höher als 445 Meter. Vielleicht kann man von hier aus auch die auf einem Hügel liegende Gemeinde Capoliveri im Südosten Elbas erkennen? Außerdem ist die Insel von zahlreichen Lagunen mit hohem Wasservorkommen, üppigen Wäldern, Erdbeerbäumen, Mastixsträuchern, Rosmarin, Lavendel und Strohblumen durchzogen. Die souveräne Herrscherin ist aber die Montpellier-Zistrose, deren Duft einen bildnerischen und hauchdünnen zweiten Körper der Insel formt.

Zahlreich sind die antiken Pfade, die die Täler, Gebirgskämme und Küstenpunkte miteinander verbinden. Euer Forscherdrang wird in diesem Territorium voll Flora, Fauna, wunderschönen Landschaften und Geschichte befriedigt werden. Verlasst den Ort, den ihr euch für euren Aufenthalt auf der Insel Capraia ausgewählt habt wie ein Hotel, eine Ferienwohnung oder aber ein Campingplatz und macht euch auf den Weg in Richtung Küste: diese ist durchzogen von Wachtürmen für die barbarischen Piraten, eine furchterregende Gruppe unter Solimano dem Wunderbaren. Zwei kleine Flachebenen unterbrechen die Berglandschaft und geben euch für kurze Zeit eine Verschnaufpause: die Piana di Santo Stefano und die Piana dello Zenobito. Über euch wacht zudem die Festung, die das capraier Land beherrscht, das einzig bewohnte Zentrum der Insel.

Die Beschaffenheit der Küsten, ein Zeugnis ihres turbulenten Ursprungs. Im Westen der Insel werdet ihr euch von den hohen, von den sehr hohen zackenförmigen Kliffen spitz aus dem Meer ragend verzaubern lassen. Hier leben verschiedenste Vogelarten, die ihre Nester auf Buchten zwischen den Klippen bauen, die eine Landung sehr erschweren. Nur die Cala del Moretto, die Reciso und die Fondo sind begehbar. Liebhaber des Tauchens sollten ihre Ausrüstung aber lieber in der Herberge lassen. Der östliche Teil der Insel ist etwas flacher, aber deswegen nicht weniger spektakulär: auch dieser Inselteil ist gekennzeichnet durch eine schroffe Fallhöhe am Felsvorsprung des Meeres, die durch Kieselsteinchen und Sand der Strände, die ihr auf jeden Fall besuchen müsst, abgemildert wird.

Capraia, Ziel der Seevölker und der Etrusken. In antiken Zeiten wurde die Insel wegen ihrem Holzvorkommen überfallen und zwischen dem I. und II. Jahrhundert n. Chr. bauten die Römer eine Villa am Hafen und weitere Behausungen auf dem Flachland Piana di Santo Stefano. Mit dem Beginn des Christentums wurden die ersten Mönche auf der Insel sesshaft: die Kirche von Santo Stefano, im IX Jahrhundert von sarazenischen Piraten zerstört und im XII Jahrhundert etwa rekonstruiert, gibt Zeugnis davon.  Capraia war auch ein Stützpunkt für die Piraten des Mittelalters, die dann von den Pisanern und diese später von den Genovesen 1284 verjagt wurden. Dieses Machtweiterreichen endete mit der Einigung Italiens (Risorgimento). Seit 1996 gehört die Insel zum Nationalpark des Toskanischen Archipels.